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Die Geschichte der St.-Marien-Kirche Rostock

Zunächst war die Kirche der Mittelstadt eine frühgotische Hallenkirche, die sich höchstens durch ihre Größe von ähnlichen Dorfkirchen unterschied. Nun aber, nach ihrer Erhebung zur Rats- und Hauptpfarrkirche, genügte sie nicht mehr dem Repräsentationsbedürfnis der Stadtvertreter. Es wurde beschlossen, die Kirche zu einer Basilika mit einem aus fünf Kapellen bestehenden Chorumgang umzubauen. Östlich des bereits bestehenden Hallenbaus baute man zuerst den Kapellenkranz und vereinte diesen dann nach und nach mit dem zur Basilika umgestalteten Baukörper. Auch an dem wuchtigen Westwerk wurde weitergebaut. Der Plan, einen Doppelturm zu errichten, bestand zu dieser Zeit offenbar noch. Dieses Baugeschehen zog sich insgesamt über einen Zeitraum von rund einhundert Jahren hin. Dann gab es 1398 eine nochmalige Änderung der Baupläne: Mitten durch die Basilika sollte ein mächtiges Querhaus gebaut werden, das den Grundriss einer einschiffigen Hallenkirche besaß. Was letztendlich diese neue Konzeption auslöste, ist nicht mit Sicherheit bekannt. Eine in das Mauerwerk rechts neben dem Haupteingang der Kirche eingelassene Steintafel erzählt, dass im Jahre 1398 "St. Gregor (12. März) die Kirche niederbrach und St. Georg (23. April) sie neu errichtete". Hatte es einen - eventuell durch mangelnde Statik verursachten Einsturz gegeben, wollte man den relativ schwachen Längswänden des Mittelschiffes mehr zusätzlichen Halt geben, oder war das Querhaus geplant, um einen noch prächtigeren Kirchbau zu schaffen? Wir wissen es nicht. Die Kürze der Zeit, die zwischen Abbruch und Neubau liegt - es sind nur sechs Wochen – deutet auf eine längerfristige Vorbereitung hin. Woher sollte sonst so schnell die notwendige Planung und die Menge an Baumaterial kommen?

Jedenfalls begann der Bau des Querschiffes noch im Jahre 1398. Auf die zuvor noch geplanten Strebebögen, die den Schub der Gewölbe abfangen und an die tiefergelegenen Außenwände der Seitenschiffe und deren Stützpfeiler ableiten sollten, verzichtete man gänzlich. Die Stellen, wo sie gebaut werden sollten, kann man aber bis heute im Mauerwerk des Mittelschiffes sehen. Die neuen Bauteile prangen mit Wechselschichten aus grünlich glasierten und unglasierten Backsteinen im Außenmauerwerk.

Am 12. November 1419 wurde in der noch im Bau befindlichen Kirche die älteste Universität Norddeutschlands feierlich eröffnet, 35 Jahre später waren dann auch die letzten Gewölbe geschlossen. Auf den ehemals vorgesehenen Doppelturm verzichteten die Rostocker Stadtväter jedoch, nachdem sich das südliche Turmmauerwerk im Laufe der Bauzeit ein wenig nach Osten geneigt hatte. Aus Furcht, dass die geplanten Spitzen den Turm allzu sehr belasten und möglicherweise zum Einsturz bringen könnten, beendete man den Turmbau mit einem gewaltigen Zeltdach und mit einer zierlichen Spitze über dem Mittelturm, der zu diesem Zweck um eine Etage erhöht wurde. Vielleicht aber fehlte es auch nur an den finanziellen Mitteln für das riesige Doppelturmwerk. Wir Wissen es nicht, und die Akten schweigen.

Als während des Zweiten Weltkrieges die Stadt Rostock 1942 und 1944 das Ziel angloamerikanischer Bombenangriffe war, bestand auch für die St.-Marien-­Kirche allerhöchste Gefahr. Nur das beherzte Eingreifen einiger weniger Menschen unter Führung des Turmdieners Friedrich Bombowski verhinderte, dass die Marienkirche das gleiche Schicksal erlitt wie die drei anderen großen Stadtkirchen, die vollständig ausbrannten.

Aber ganz ohne Schäden ist sie damals natürlich auch nicht davongekommen: Die Fenster wurden von Bombensplittern durchlöchert, ebenso das Kupferdach. Durch die schweren Detonationen entstanden tiefe Risse in den Gewölben und im Mauerwerk. Insgesamt gesehen aber überstand die St.-Marien-­Kirche als einzige der Rostocker Pfarrkirchen das Inferno des Bombardements, das wesentliche Teile der Stadt in Schutt und Asche legte.

Nach Kriegsende wurden alle vorhandenen Baustoffe vordringlich für den Wohnungsbau benötigt. Parallel dazu musste die Industrie wiederaufgebaut und erweitert werden. Erst danach konnte man daran denken, sich nun auch dem Erhalt der St.-Marien-Kirche zuzuwenden. Notdürftig wurden Dach und Fenster geflickt, um das Gotteshaus wenigstens benutzen zu können. An eine planmäßige Sanierung des gesamten Bauwerkes war erst nach der politischen Wende 1989/1990 zu denken. Seitdem gibt es auch den Förderverein "Stiftung St.-Marien-Kirche zu Rostock" e.V., dessen Mitglieder ausschließlich ehrenamtlich tätig sind.

 

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